08.04.2003

Neue DSP Flagschiffe von Analog Devices

Ein Guiness auf den Blackfin


"Der Blackfin hat die Mikrocontroller-Peripherie, die ich als DSP-Mensch immer vermisst habe." (Andreas Bayer) (Zum Vergrößern in das Bild klicken)

Analog Devices hatte alles aufs Beste für die Einführung der zweiten Generation von Blackfin-DSPs in die Pipeline geschoben: Weltweit wurden schon Monate vor der geplanten offiziellen Einführung der neuen Festkomma-Familie zum 1. April Fachjournalisten gebrieft und auf das High-Clock-Ereignis eingestimmt. Doch vierzehn Tage vor diesem Termin machte Texas Instruments den Marketiers aus Norwood einen Strich durch die Rechnung. Sie kündigten nichts geringeres als die schnellsten DSPs der Welt die TMS320C64/14/15/16 an. Das dem auch wirklich so ist und auch die letzten Zweifel daran, wer in Sachen DSP das Takt-Zepter schwingt, ausgeräumt werden, liessen sich die Texaner mit den höheren Weihen eines Eintrages in das Guinessbuch der Rekorde segnen.

 

Und tatsächlich: Glaubt man den DSP-Testern von BDTi hat der C64xx im hausinternen BDTimark2000 schon mit 600MHz-Takt die Nase vorn (C64xx: 5320, BF53x: 3280). Bei 720er-Taktung gibts sogar 6380 "Punkte" (BDTIsimMark2000) für TI. Um trotzdem im Geschwindigkeitsrausch die Nase vorn zu haben, hat man sich bei Analog aber von vornherein auf TIs Mainstream-Serie 320C55xx "eingeschossen" (BDTimark2000: 970). Im Vergleich mit diesen 200-MHz -Chips hat man nun die Nase weit vorne. Takt und Rechenleistung sind aber bestenfalls die halbe Performance-Miete, wie das Statement eines Entwicklers belegt:

 

"Was ein DSP leistet hängt sehr von den Tools, speziell dem C-Compiler, ab. In dieser Hinsicht haben sich TI und AD in der Vergangenheit nicht eben mit Ruhm bekleckert. Da die Compiler günstigstenfalls nur 50% der nominellen Rechenleistung verfügbar machen (meist nur 10-20%), und niemand mehr die Implementierung in Assembler für zeitgemäß hält, wäre es an der Zeit, an dieser Stelle hart zu arbeiten. Wie es aussieht, greift aber auch bei Digitalen Signalprozessoren mehr und mehr eine ‘Redmondisierung’ platz: Her mit den MIPS, wir wollen gar nicht wissen, wie es effizienter geht."

 

Die AD-Plattform zielt mit eingebauten Features und schierer Rechenleistung verstärkt auf den Video-Markt, dient sich aber auch den üblicherweise verdächtigen Konsumenten- und Infrastrukturmärkten an. Bemerkenswert sind die Verlustleistungswerte des Blackfin bei Volllast soll sie laut Hersteller 280mW betragen.

 

Der BF hat die Mikrocontroller-Peripherie, die ich als DSP-Mensch immer vermisst habe, nämlich UARTs, Watchdog-Timer, Pulsbreiten- Modulatoren, Realtime-Clock etc. - alles Dinge, die wir sehr oft extern anflanschen müssen. So Andreas Bayer (Bayer DSP Solutions). Er füllt das mit "Praxis" was sich bei AD so anhört:

 

Als erster einer neuen Klasse von Embedded-Media-Prozessoren von Analog Devices erfüllt der ADSP-BF533 die Rechenleistungsanforderungen und Leistungsvorgaben heutiger "eingebetteter" Audio-, Video- und Kommunikationsanwendungen.... ()ohne die Einschränkungen oder die Unflexibilität, die eine spezielle Hardware oder heterogene "Dual-Core"-Architekturen mit sich bringen. ()...stellen der ADSP-BF531 und BF532 eine gute Alternative für Anwender von traditionellen RISC- und Microcontroller-Architekturen dar.

 

Diese Aussage zielt zum Einen klar auf TIs Omap-Plattform (ARM925 + 320C55x) und auf Blackfin-Entwicklungspartner Intel, der unter dem Namen "Manitoba" (PXA800F) einen XScale und einen Blackfin (Intel-Name: MicroSignal-Architektur ) auf einen Chip gepackt hat. Zum anderen steht aber die Message: "Die neuen Blackfins haben auch Mikrocontroller-Qualitäten." Nimmt man die oben angeführte Peripherie, die man sonst nur in weniger leistungsstarken DSPs für Motorsteuerungsapplikationen bei TI und AD findet und fügt noch die bei den BFs integrierte MMU hinzu, dann ist da durchaus was was dran. Zumal laut Analog Devices die Hersteller von Clinux, ThreadX und Nucleus schon auf die neuen Blackfins portiert haben.

 

Der ADSP-BF533 wird in zwei Geschwindigkeitsversionen angeboten: 500 MHz und 600 MHz für 16,95 US$ bzw. 19,95 US$ pro Stück bei Stückzahlen von 10.000. Beide Versionen sind in einem 12mm x 12mm groen 160poligen Mini-BGA-Gehäuse erhältlich. Der ADSP-BF532 ist mit 400 MHz, 84 kBytes on-chip SRAM/Cache und mit zusätzlichen 32 kBytes on-chip ROM verfügbar. Der Baustein ist in dem gleichen 160poligen Mini-BGA wie auch in einem 176poligen LQFP erhältlich. Die LQFP-Version arbeitet mit 300 MHz. Beide Versionen des ADSP-BF532 kosten 9,95 US$ in Stückzahlen von 10.000. Der ADSP-BF531 bietet 52 kBytes on-chip SRAM/Cache und 32 kBytes on-chip ROM. Die 160polige Mini-BGA-Version mit 400 MHz wird für 5,95US$ angeboten, die LQFP-Version für 300 MHz liegt bei 4,95 US$ (in Stückzahlen von 10.000). Muster von allen drei Familienmitglieder sind ab sofort im BGA-Gehäuse verfügbar. Die LQFP-Versionen sind ab dem dritten Quartal 2003 erhältlich.


 


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