Die Forschungsgruppe „Bistatische Radarsignaturen von Verkehrsobjekten als Bindeglied zwischen Umfelderfassung und Mobilkommunikation (BiRaUM)“ wird vom Freistaat Thüringen mit 963.700 Euro für drei Jahre aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds Plus kofinanziert.
Was bringt 6G?
Mit der Mobilfunktechnologie 6G, deren Markteinführung um 2030 erwartet wird, werden neben existierenden Diensten wie mobilem Internet und Verkehrsvernetzung zusätzlich Sensing-Funktionen nutzbar, um die Umgebung (ähnlich wie mit einem Radarsystem) zu erfassen. Die Technologie ICAS (Integrated Communications and Sensing) erfordert jedoch ein genaues Verständnis dafür, wie Objekte durch die Systeme wahrgenommen werden.
Virtuelle Straße als Testlabor für automatisierte Fahrzeuge
Am Thüringer Innovationszentrum Mobilität steht eine Infrastruktur für Mobilitätsforschung zur Verfügung, deren Herzstück die bistatische Radarreflektivitäts-Messanlage BiRa ist. Als Teil der „Virtuellen Straße – Simulations- und Testanlage VISTA“ können damit Reflektivitäten in der Fahrzeugumgebung gemessen werden. Das größte Problem dabei: Alle großen und komplex geformten Objekte in der Umgebung vollständig zu erfassen, und das im Millimeterabstand, dauert aufgrund der enormen Menge an Daten mit herkömmlichen Verfahren Wochen oder sogar Monate.
Die Forschungsgruppe entwickelt deshalb ein Messverfahren, mit dem sich die Reflexion solcher Objekte präzise, aber dennoch schnell charakterisieren lässt. Damit z.B. ein selbstfahrendes Auto bremst, sobald ein Kinderball auf die Straße rollt.
Wer ist dabei?
Das Großprojekt wird am Thüringer Innovationszentrum Mobilität umgesetzt. An der Forschungsgruppe sind drei Fachgebiete der TU Ilmenau beteiligt: „Hochfrequenz- und Mikrowellentechnik“, „Funktechnologien für Automatisierte und Vernetzte Fahrzeuge“ und „Elektronische Messtechnik und Signalverarbeitung“.
Ausblick
Die im BiRaUM-Projekt entwickelten Modelle sollen nicht nur helfen, Unfälle zu vermeiden und Verkehrsflüsse zu optimieren. Die Forschungsgruppe will Messwerkzeuge und Modelle liefern, mit denen Mobilkommunikation und Sensorik für die zukünftige Mobilität möglich sind. Auch neue Mobilfunk- und Sensorsysteme auf Basis von 6G und ICAS können so entstehen. Hersteller, Netzbetreiber und Entwickler werden die Erkenntnisse nutzen können, um neue Technologien realitätsnah zu testen.
Neue Kommunikations- und Radarsysteme wären auch in der Lage, Drohnen am Himmel zu detektieren, so dass mit Hilfe des Mobilfunknetzes kritische Infrastruktur geschützt werden könnte.



