National Instruments LabVIEW wird sowohl in klassischen MSR-Anwendungen als auch für sehr komplexe Aufgaben im Bereich der Prozess- und Fertigungs-automatisierung eingesetzt.
LabVIEW ist eine relativ offene Software-Plattform. Es stehen von Haus aus zahl-reiche Softwarekomponenten zur Unterstützung der in der Messtechnik geläufigen I/O-Schnittstellen zur Verfügung. Besonders für RS232/RS422/RS485, VXI und PXI werden leistungsfähige Integrationshilfen angeboten. Aber auch serielle Ver-bindungen zu Feldbussystemen wie CAN, Profibus, Interbus u.a. sind mittels LabVIEW möglich.
LabVIEW ermöglicht die PC-basierte virtuelle Instrumentierung. Sie gestattet den Ersatz konventioneller Messgeräte durch PC-zentrierte Lösungen. Dieser Wandel vom herstellerdefinierten zum anwenderdefinierten Messsystem hat sich in den letzten Jahren in verschiedenen Anwendungsbereichen mit einer beachtlichen Geschwindigkeit verbreitet. Von großer Bedeutung für den Praxiseinsatz ist, dass über die Benutzeroberfläche (MMI = Mensch-Maschine-Interface) einer PC-MSR-Software auch sehr komplexe Anwendungen mit vielen einzelnen Mess-komponenten als ein in sich geschlossenes Gesamtsystem erscheinen. Das vereinfacht den Einsatz und die Handhabung sehr anspruchsvoller Ausgaben.
Der elementare LabVIEW-Grundbaustein ist das VI (virtuelles Instrument). Es bildet aus der Sicht des Anwenders in erster Linie die Benutzerschnittstelle. Unter der Oberfläche beinhaltet ein solches VI aber auch ein (mehr oder weniger komplexes) ausführbares Programm, welches die eigentliche MSR-Anwendung implementiert.
Ein typisches virtuelles Instrument (VI) erfüllt unter LabVIEW drei Teilaufgaben: 1. Datenerfassung, 2. Datenanalyse und 3. Datenpräsentation. Abbildung 1 liefert ein Beispiel für ein typisches LabVIEW-VI unter Microsoft-Windows.
Die Datenerfassung sorgt dafür, dass die Rohdaten auf dem PC in digitalisierter Form zur Verfügung stehen. Da es sich bei diesen Rohdaten häufig um analoge Spannungen und Ströme sowie andere – nicht elektrische Größen (Sensordaten) in analoger Form – handelt, sind in einem PC für den LabVIEW-Einsatz spezielle A/D-Wandler-Karten erforderlich.
Die LabVIEW-Datenanalyse folgt in der Regel auf eine Datenerfassung. Sie beinhaltet die Formatierung, Skalierung, Statistik sowie weitere anspruchsvolle mathematische Analysealgorithmen. Aber auch eine eventuell erforderlich Signal-verarbeitung ist im Rahmen der Datenanalyse möglich.
Die Datenpräsentation erfolgt in erster Linie durch die Benutzeroberfläche des VIs. Das virtuelle Instrument selbst besteht bei detaillierter Betrachtung wiederum aus einem Frontpanel als sichtbarem Anteil, sowie aus den – im normalen Betrieb – unsichtbaren Bestandteilen Blockdiagramm und Anschlussblock.
Das VI-Frontpanel bildet die interaktive Benutzerschnittstelle (MMI) zwischen der eigentlichen Anwendung und dem Bediener. Es besteht aus verschiedenen grafischen Steuer- und Bedienelementen (Frontpanelobjekte) wie zum Beispiel Drehknöpfen, unterschiedlichen Schaltern, Drucktasten, Eingabefeldern u.v.a. Weitere wichtige Frontpanelobjekte sind Anzeigen (Graphen, LEDs usw.). Über sie erfolgt die eigentliche Datenpräsentation auf der Benutzeroberfläche.
Ein LabVIEW-Blockdiagramm bildet das tatsächlich ausführbare (Steuer-) Pro-gramm hinter dem VI-Frontpanel. Blockdiagramme werden im Rahmen der LabVIEW-Programmierung in einer speziellen grafischen Programmiersprache erstellt. Die Art und Weise der symbolbasierten strukturierten LabVIEW-VI-Blockdiagrammprogrammierung ermöglicht eine recht hohe Abstraktionsebene mit großer Nähe zur eigentlichen MSR-Anwendung. Vereinfacht dargestellt erfolgt das Erstellen bzw. Programmieren eines LabVIEW-Blockdiagramms per interaktiver visueller Verdrahtung vorgefertigter Symbole. Durch die virtuellen Drähte zwischen den einzelnen Blockdiagrammsymbolen fließen bei der Ausführung des VIs die (Mess-) Daten, repräsentiert durch bestimmte Zahlen-werte. Die primären Bestandteile eines Blockdiagramms sind vordefinierte Funktionen, Konstanten sowie unterschiedliche Ablaufstrukturen (Ver-zweigungen, Fallunterscheidungen, Schleifen). Auch andere untergeordnete VIs können in ein Blockdiagramm eingefügt werden. Die Frontpanelobjekte besitzen innerhalb eines Blockdiagramms korrespondierende Anschlüsse. Über diese werden sie mit anderen Blockdiagramm-Bestandteilen verbunden. Die Aus-führung eines LabVIEW-Blockdiagramms erfolgt Flow Driven, also nach den Regeln der Datenflusstheorie.
Der Anschlussblock eines LabVIEW-VIs ermöglicht die Integration des VIs als untergeordnete Funktion in das Blockdiagramm eines anderen VIs. Man spricht in diesem Zusammenhang von einem SubVI, funktional vergleichbar mit dem Unterprogramm in einer prozeduralen Programmiersprache. Jedem Anschluss-block ist in der Regel auch ein Symbol zugeordnet. Der VI-Anschlussblock beschreibt weiterhin, wie die Daten aus anderen Blockdiagrammen eingespeist, bzw. an andere VIs weitergeleitet werden.
LabVIEW gilt insgesamt als hochentwickelte 4GL (Fourth Generation Language), also als Programmiersprache der vierten Generation. Solche Sprachen bieten eine sehr hohe Abstraktionsebene für die Problemlösung. Sie ermöglichen weiterhin eine sehr schnelle Anwendungsentwicklung.